Im Test: Datura

Wo bin ich denn hier nun wieder gelandet? In… einem… Wald? Nur bruchstückhaft kann ich mich an irgendwas erinnern. Nur… Is this the real life? Is this just fantasy? – Dies gilt es nun herauszufinden.

Die Herrschaften von Plastic liefern mit „Datura“ ein Stück Software ab, das sich nicht wirklich einordnen lässt. Ist es ein Spiel, oder ein interaktiver Film, oder gar eine „TechDemo“? – Vielleicht kann sich der ein oder andere „ältere“ PS3-User noch an „Linger in Shadows“ erinnern, ebenfalls aus dem selben Haus. Und ebenso war das Spiel nicht unbedingt ein „Spiel“. Eher war es eine interaktive Kunstinstallation, in der man mit dem Sixaxis-Controller ein paar Rätsel lösen durfte. Im gewissen sinne schon spielerisch, aber auf der anderen Seite so irreal, wenngleich sehr sehr schön und irgendwie auch… philosophisch… wenn man sich auf das ein oder andere Thema gedanklich „einlässt“.

Nun läuft hier auf dem großen Bildschirm wieder eine Art „Kunstwerk“, wenn man so will. Der Spieler hat keine Ahnung, wer er ist. Man sieht nur hin und wieder eine abgetrennte Hand, die den Kontakt zwischen Spieler und Spielwelt darstellt. Gesteuert wird mittels PlayStation Move. Verfügt man nicht über den Wackelstab, darf man auch zum normalen Controller greifen, was dann allerdings nicht mehr ganz so schön ist (allerdings muss man sich ohnehin anfangs erstmal an die Steuerung gewöhnen).

Die ewigen Jagdgründe

Gerade noch war man in der normalen Welt und *zack* steht man allein im Wald. Jeder darf sich an dieser Stelle fragen, was das zu bedeuten hat. Befindet man sich in einem Schwebezustand zwischen der Welt der Lebendigen und der Toten? Ist es ein Fiebertraum? Warum läuft hier ein grunzendes Schwein herum? Warum ist man hier und wie zum Geier kommt man hier wieder raus?

Der wirklich eindrucksvolle Wald ist gleichermaßen beruhigend, als auch ein wenig einschüchternd. Hilflos tappt man umher und sucht nach „Anhaltspunkten“, um sich wieder zu „erinnern“. Dabei kommt man an einer Vielzahl an Dingen vorbei, die man eigentlich nicht wirklich in einem Wald vermutet. Darunter Skulpturen, Türen, oder auch das putzige Hausschweinchen. Interagiert man mit den Elementen, wird man aus der aktuellen Situation herausgenommen und sieht sich in einer (vermutlichen) Erinnerungssequenz wieder, in der man ebenfalls interagieren muss.

Jedoch ist alles sehr rätselhaft und verworren, wie etwa eine durchschnittliche Folge „LOST“ (ein Eisbär auf einer Insel?). Und es bleibt auch bis zum Schluss so. Während des „Spiels“, das nicht wirklich sonderlich lang ist, was natürlich davon abhängt, wie lang man im Wald verbleiben will, um sich auch wirklich alles anzusehen… oder um einfach nur an einer besonders hübschen Stelle zu verweilen, bleibt die Sachlage ein wenig nebulös.

Insgesamt steht der Spieler ziemlich alleine gelassen da. Vielleicht gehört das ja zum Prinzip, oder man hat vergessen, dass manche Spieler es gerne haben, anfangs am Händchen geführt zu werden, damit man weiß, wo die Reise hinführt.

Ein Vergleich mit Journey? Kann man machen. Auch hier hat man es mit einem sehr experimentellen Spiel zu tun. Noch dazu auf das Wesentliche reduziert. Auch hier weiß man Anfangs nicht, was man eigentlich machen soll. Dennoch hatte man in Journey nicht das Gefühl… oder zumindest war das bei mir so… dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Vielleicht ist es auch die Sicht auf das Spiel. Während man in Journey eine namenlose, mysteriöse Figur begleitet und auf der Reise eine schon fast emotionale Beziehung aufbaut, spielt man Datura aus der Ich-Perspektive. Man hat nicht direkt „eine Person“ mit der man sich identifizieren kann. Man steckt ja selbst irgendwie drin. Das mag ja für ein Adventure dieser Art dienlich sein, aber irgendwie springt der Funke nicht ganz über.

Grafik? Yay…
Also rein optisch macht Datura ein wirklich tolle Figur. Allein die hübschen Lichteffekte, die man auf dem Waldspaziergang so erlebt, sind doch schon sehr bezaubernd. Auch der Wald (und was man darin so finden kann) als solches sieht schon sehr prächtig aus. Noch beeindruckender soll das aufkommende Gefühl sein, wenn man im Besitz eines 3D-TVs ist.

Auf der Schattenseite jedoch findet sich die Steuerung des Spiels. Datura wurde eindeutig für Move konzipiert. Wie schon eingangs erwähnt kann man es auch mit dem DualShock Controller (dank Sixaxis) spielen, doch sollte man eher davon absehen. Datura spielt sich dann eher so, als hätte man einen Amboss an der Stelle, wo eigentlich die Hand sein sollte. Dementsprechend fühlt sich dann auch die Spielmechanik an: Schwerfällig und manchmal mögen Bewegungen auf Anhieb nicht wirklich gelingen.


Fazit:
Spiel oder Nicht-Spiel, das ist hier die Frage. Was auch immer man es einsortierend mag, eins steht fest: Datura ist anders und hebt sich auf alle Fälle vom Einheitsbrei ab. Ist es also eine Empfehlung wert? Schwierige Frage.

Für alle, die sich gerne auf ein Experiment einlassen und mal Abstand von der Welt brauchen, sollten mal einen Blick drauf werfen. Für alle, die einen strikten Plan brauchen, um von Level zu Level zu kommen und es auch eher schätzen, wenn es so richtig rappelt im Karton, werden wohl nicht ganz so warm damit werden.

Etwas schade ist auch wirklich der kleinere Umfang den Datura bietet. Auch für knapp einen Zehner. Ansonsten hab ich den Ausflug in diese leicht absurde Welt wirklich entspannend gefunden…

Dieses Posting hat 2 Kommentare

  1. Anonymous sagt:

    hattes mir auch am mittwoch datura geholt, da ich ja schon linger in shadows und .detuned von den herren kenne u schätze!
    ist halt genau wie daspixel sagt, wieder mix aus interaktivität, techdemo u entspannung bzw. hang zur entschleunigung! in der ich perspektive und in 3D sieht das alles wunderbar stimmig aus, doch warum sie nicht zur steuerung der person noch den navigationscontroller genutzt haben bleibt mir ein rätsel! so spielt sich das doch alles ein wenig behäbig, ist aber dennoch eine reise wert!

  2. iokone sagt:

    Danke fuer das Review Pixel! Werd’s mir wohl mal zulegen, aber erst mal kommt dann wohl Jorney. Wollt halt warten bis beide raus sind und dann vergleichen. Thx!

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