PS3Blog-Leser schreiben Reviews: Kengami testet “Battlefield 3”

Battlefield hat sich als Spieleserie mittlerweile auch auf den Konsolen einen festen Platz in der Masse der Shooter erkämpft durch die beiden sehr guten Teile Bad Company 1 und 2. Fahrzeuge, große Maps, Teamplay und Zerstörung der Spielwelt setzten sich als Trademarks gegen die übermächtig erscheinende Call Of Duty-Reihe in den Herzen vieler Spieler fest. Battlefield 2 war zudem damals lange Zeit der Maßstab auf dem PC, wenn es um große Online-Shooter-Massenschlachten ging. Nun kommen auch wir in den Genuß des Nachfolgers, in den große Hoffnungen gesteckt wurden. Ob sich diese hohen Erwartungen im Sand am Golf von Oman versinken oder doch alle Ziele an der kaspischen Grenze erobert und gehalten werden, zeigt der nachfolgende Test.

„Put the dinosaur down! It’s go-time“
Die Story von Battlefield 3 dreht sich um die Erlebnisse von Staff Sergeant Henry Blackburn. Dieser ist Mitglied des U.S. Marine Corps und wird zu Einsätzen gerufen im Irak, Iran, Kurdistan und muss schlussendlich auch in New York in das Geschehen eingreifen. Paris ist ebenfalls ein Schauplatz, den man aus den Augen des russischen Agenten Dimitri „Dima“ Mayakovsky erlebt. Sowohl Blackburn als auch Dima kämpfen gegen die Bedrohung der PLR, der People’s Lieberation and Resistance, und Solomon, einem Terroristen, der mit Atombomben Paris und New York vernichten will. Dieser grobe Abriss der Geschichte soll an diese Stelle genügen, da selbige sehr spannend in Rückblenden erzählt wird, in denen Blackburn von zwei amerikanischen Geheimdienstlern verhört wird. Dieser Aufbau erinnert ein wenig an CoD Black Ops, ist in meinen Augen aber besser gelungen, da es insgesamt nicht so „flashy“ inszeniert ist. Es wirkt bodenständiger und damit auch realistischer. Auch diese Story schwimmt natürlich auf der momentanen Welle der modernen Kriegsführung und Terroristenbekämpfung und gewinnt damit leider keine Innovationspreise. Der Aufbau der einzelnen Missionen ist ebenso keine Überraschung, da Althergebrachtes rezitiert wird: Fahreinlagen, Sniper Mission, offene Kämpfe. Aber die grandiose Inszenierungen lässt einen auch dieses Manko verkraften. Eine Mission sei besonders erwähnt: Going Hunting. Diese ist schon mehr ein interaktiver Film, da man hier in einem Jet sitzt, den man leider nicht steuern darf, sondern nur als Gunner seinem Piloten hilft, feindliche „Boogies“ vom Himmel zu holen. Trotz der Limitierung auf die Zuschauerrolle ist mir diese Mission sehr im Gedächtnis hängen geblieben, da ein großartiges Mittendrin-Gefühl erzeugt wird, in dem man sich vollständig verlieren kann. Eine der großen Stärken, auf die ich im weiteren Verlauf noch einmal zurückkommen werde.

Trotz altbekannter Strukturierung unterhält die Kampagne sehr gut, da es sehr spannend erzählt wird und insbesondere das Ende hat mich aufgrund seiner Atmosphäre und Aufmachung in seinen Bann gezogen. Hier bleibt sogar noch Spielraum für verschiedene Interpretationen, wie es nun ausgeht. Leider ist der Spuk nach knapp sechs Stunden auch schon wieder vorbei. Schade eigentlich, da wäre noch ein wenig mehr möglich gewesen…

„Misfit 3-1, move out!“
Neben der Story spendieren uns die Macher von BF3 auch noch einen Ko-Op Modus. Dieser besteht aus sechs Missionen, die in bekannten Settings spielen. Man darf fliegen, schießen und schleichen mit seinen PSN-Freunden oder einem Unbekannten, der per Matchmaking gefunden wird. Dies sorgt für kurzweilige Zerstreuung und bietet eine gute Ergänzung zum SP. Leider kann man nicht zu Zweit von der Couch aus in die Schlacht
ziehen, was eigentlich sehr schade ist. Aber vielleicht wird diese Funktion ja noch einmal als Patch nachgereicht. Ein wirklich großer Ansporn bietet der Ko-Op in Form von freispielbaren Waffen für den Multiplayer. Da hier einige sehr gute dabei sind (M92 Raffica, MP-7, M39EBR) lohnt sich allein deswegen schon, die sechs Missionen in Angriff zu nehmen.

„We’re doing everything we can.“
Gameplaytechnisch bietet sich hier altbekanntes Shooter gameplay. Wir schießen, wir rennen, wir gehen in Deckung, wir reißen Wände ein, aber selten sah dies so verdammt gut aus und wurde so atemberaubend inszeniert. Zudem basiert BF3 mehr auf Teamplay, was ich persönlich wirklich schätze. Dies wird im Multiplayer-Teil des Testes noch weiter ausgeführt.

Die KI gewinnt auch hier wieder keinen Blumentopf. Verhält sich zwar teilweise recht klug, wechselt die Position, gibt Deckungsfeuer für die eigenen Kameraden, versagt aber in Teilen auch komplett. Rennt man zu schnell durchs Level, reagiert die KI gar nicht, auch wenn man hinter ihr steht. Ist ein wenig merkwürdig, aber leider ja an der Tagesordnung. Gefährlich wird die KI nur in Massen, da der Aimbot dann schon böse ist und man relativ schnell im Wüstensand vergeht. Das Durchspielen auf Schwer stellt aber für erfahrene Spieler keinerlei Problem dar und ist eher ein Spaziergang. Die eigenen Teamkollegen verhalten sich ebenfalls okay, rücken mit vor, helfen einem über Hindernisse, geben Feuerschutz. BF3 befindet sich in diesem Punkt nicht auf dem katastrophalen Niveau einer Crysis 2 KI, aber wirklich Anspruch gibt‘s auch hier nicht. Insgesamt plädiere ich dafür, dass sich die Entwickler endlich mal hinsetzen und eine tolle, realistische KI programmieren.

Das Leveldesign im SP geht an sich okay. Leider fühlt man hier selten bis gar nicht die große Freiheit, die einen auf den Maps im Multiplayer überkommt. Man steuert Blackburn und Dima durch meist vorgegebene und stark begrenzte Levelschläuche, die kaum Raum für taktische Manöver bieten. Aber die fantastische Mittendrin-Atmosphäre entschädigt auch hierfür in großen Teilen

Das grafische Gewand von Battlefield 3 ist dagegen über jeden Zweifel erhaben. Es ist zum großen Teil ein absoluter Augenschmaus, was sich dort auf dem Bildschirm entfaltet. Die Wüste, das Design der Städte, Luftkämpfe, Explosionen, WOW! Leider gibt es aber auch einige matschige Texturen, die bei näherem Hinschauen entdeckt werden. Aber in dieser dichten Atmosphäre hat man ohnehin keine Zeit, an jeder Textur zu schnuppern. Matsch tritt auch nur im MP in größerem Maße auf. Verständlich, da bei großer Spielerzahl und Massenzerstörung irgendwo Abstriche gemacht werden müssen. Framerate-Einbrüche sind extrem selten und Freezes sind bei mir nur im Multiplayer aufgetreten, vorzugsweise am Ende einer Runde. Im Singleplayer bleibt der Bildschirm öfters mal kurzzeitig stehen, wenn ein Speicherpunkt erreicht ist. Danach geht es aber ohne Probleme weiter.
Ein wirklich großes Plus in BF3 sind die großartigen und realistischen Bewegungen der Figuren. Mir fällt kein Shooter ein, in dem wir uns schon so elegant in den Dreck geworfen oder über ein Hindernis gesprungen sind. Ich ertappe mich noch immer dabei, dass ich grinse, wenn man im Sprint über ein Hindernis hüpft und sich danach direkt in Deckung wirft. Absolut top!

Die englische Synchronisation ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben und die Sprecher machen eine gute Arbeit. Auch die deutsche Vertonung geht in Ordnung und lässt keinen Unmut aufkommen. Soundtechnisch zieht Battlefield sowieso alle Register, die man nur ziehen kann. Explosions-, Waffen- und Umgebungsgeräusche lassen einen alles um sich herum vergessen. Großartig. Ich empfehle zudem ein 5.1 System, euer Spielerherz wird’s
euch danken. Eure Nachbarn wohl eher weniger.

Der Soundtrack ist ebenso stimmig komponiert von Johan Skugge & Jukka Rintamaki. Die altbekannte Battlefield-Melodie wurde ein wenig überarbeitet, aber lässt immer noch Gänsehaut aufkommen. Die restliche musikalische Untermalung passt ebenso gut ins Geschehen.

„Get your fangs out. We’re hunting big game today!“
Kommen wir nun zum erklärten Herzstück eines Battlefield: dem Multiplayer. Grafisch ist dieser wie gesagt in Teilen minimal schlechter als der SP, hält aber insgesamt das hohe Niveau des eigentlichen Spiels. Leider friert das System ab und zu ein, wie bereits erwähnt wurde bevorzugt am Ende eines Matches. Mir ist nicht bekannt, ob dies ein allgemeines oder nur ein individuelles Problem ist. Ansonsten laufen die Online-Schlachten aber erfreulich lagfrei und sehr flüssig ab. Bis zu 24 Spieler dürfen sich auf neun Karten (13 für alle, die den Karkand DLC besitzen) in verschiedenen Spielmodi an die Gurgel gehen mit allem was zur Verfügung steht. Und das ist verdammt viel.
Angefangen bei den verschiedenen Spieltypen darf man wählen zwischen Conquest, Conquest Assault (Karkand DLC), Rush, Team Deathmatch, Squad TDM und Squad Rush. Mit dem bereits angekündigten DLC „Close Quarters“ werden diese dann noch um Conquest Domination ergänzt. Eine insgesamt gesunde Auswahl, wie ich finde, in der jeder das passende für sich finden sollte! Die neun Karten sind sehr groß und bieten einen unglaublichen Entfaltungsraum für jeden Spieler. Klassen gibt es an der Zahl vier: Assault, Engineer, Support und Recon. Es lassen sich eine Unzahl von Waffen, Gadgets und Auszeichnungen für den eigenen Soldaten und die Fahrzeuge freispielen, die auf lange Zeit motivieren. Bezüglich der Klassen finde ich es immer noch sehr schade, dass man nicht seine Eigene bauen darf. Persönlich nutze ich Support und Engineer, aber eine Kombination aus beiden wäre für mich das Non plus ultra. Aber man kann ja auch im Spielgeschehen mal wechseln, wenn die gewählte Klasse im der gegenwärtigen Situation nichts taugt. Eine große Stärke der Battlefield-Reihe waren schon immer die Fahrzeuge, die natürlich auch im dritten Teil nicht fehlen. Verschiedene Panzer, Jeeps, Helikopter, Jets und Boote sorgen für unglaublich viel Spaß. Die Waffen sind zum großen Teil gut ausbalanciert. Nur die Shotguns sind immer noch viel zu stark und sorgen manchmal für Frust. Ebenso gibt es immer noch zu viele Idioten, die es super lustig finden, Jets in Helikopter zu fliegen oder an Spawn Points ihre Zelte aufzuschlagen und bei Bier und Steak den Gegner in große Not zu treiben. So etwas war nie lustig und wird es auch nie sein. Wozu hat BF3 denn Ziele, die in einem Match anzugreifen sind? Zum Glück halten sich die Noob Tuber in Grenzen.

Man kann diesem Treiben aber Einhalt gebieten dank einer neuen Funktion: Mieten eines Servers. Dies ist seit dem letzten Update möglich und gibt einem die Freiheit, nicht nur eigene Map- und Spielmodilisten zu erstellen, sondern auch nervige Zeitgenossen vom eigenen Server zu verbannen. Welch Wohltat. Preislich schlägt dies wie folgt zu Buch: 1 Tag: 1.49 €, 7 Tage: 6.99 €, 30 Tage: 24.99 € und für 90 Tage sind 64.99 € fällig. Ich hab dies mit Freunden getestet und es läuft absolut problemlos. Auf Dauer fände ich es persönlich aber zu teuer. Hat man jedoch mal wieder Lust und zockt eine Woche lang hemmungslos, ist ein eigener Server für die Zeit Gold wert.

„You can only die once. Make sure it is worth it!“
Ich muss gestehen, dass ich von Battlefield 3 zu Beginn sehr enttäuscht war. Dies lag jedoch daran, dass ich einfach zulange COD gespielt habe und eine solche
Herangehensweise an das Spielgeschehen, wie es dort üblich ist, in einem Battlefield einfach nicht funktioniert. Es ist anders gestrickt, und das ist auch sehr gut so. Und wenn man sich darauf einlässt, erwarten einen große Sachen. Sehr große sogar.

Die Story erfindet das Rad nicht neu, aber es ist spannend und realistischer erzählt als manch anderer Shooter. Besonders das Ende begeistert mich immer noch so dermaßen. Wirklich toll. Der Multiplayer offenbart jedoch erst die ganze Klasse eines Battlefield. Am liebsten spiele ich immer noch Conquest, mit meiner Squad, man hilft sich untereinander, man unterstützt sich, man macht Blödsinn. Einfach ein großartiges fantastisches Mittendrin-Gefühl auf einer persönlichen Ebene. Man fühlt einfach eine gewisse Verbundenheit mit seinen Mitstreitern, man passt aufeinander auf, man verliert sich im Geschehen. So muss es sein und so will es Battlefield 3. Team Deatmatch, der bestimmende Spielmodi in fast jedem anderen Online Shooter, ist zwar vorhanden, zieht hier aber einfach nicht, weil er die volle Klasse und die Möglichkeiten, die dieses Spiel liefert, nicht mal annähernd zu vermitteln mag. Ich bin sehr froh, dass ich Battlefield nach anfänglicher Skepsis eine zweite Chance gegeben habe. Lasst euch auf das Spiel ein, auf seine Abläufe, es ist ein Erlebnis!

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