Im Test: Mass Effect 3


Ich finde es ja immer noch schade, dass der erste Teil der Serie nie für die PS3 veröffentlicht worden ist. Man steigt doch nicht so einfach mit dem 2. Teil in ein derartiges Epos ein. Damit man als PS3 User nun doch nicht zu kurz kommt, gab es die Story des 1. Teils wenigstens als einen kurzen „Prolog“. Da muss man wohl in den sauren Apfel beißen und sich die PC oder 360 Version holen, um dann wohl doch noch in den Genuss von Mass Effect 1 zu kommen. Schwamm drüber…

Der Untergang ist nah! Oder?


Die Reaper sind wieder da und schlagen mit voller Härte zu. Ihr Ziel ist es, das Universum komplett von der „fleischlichen Brut“ zu befreien. Die Sachlage scheint Angesichts der mächtigen Wesen aussichtslos zu sein. Mit anderen Worten: „Die Kacke dampfet gar sehr!“
 Und wo ist nun der Held for the rescue? Ganz klar: Shepard. Nur ist er (bzw. Sie) ausser Dienst. Allerdings fackelt man nicht lange und gibt ihm seinen (ihr/ihren – der Einfachheit halber nenne ich ab jetzt immer die weibliche Form… was auch den Grund hab, da ich selbst seit Teil eins mit einer weiblichen Version unterwegs bin…). Status wieder als Spectre zurück, als auch das Dienstabzeichen.


Und hier kam ich etwas ins Grübeln:
Etwas seltsam ist der Start des dritten Teil schon. Gut, die Lage ist brenzlig, aber warum sich Shepard so gut wie gar nicht weiter aus den vorangegangenen Ereignissen herausreden muss, wundert doch schon. Wer weder Teil 1 oder 2 gespielt hat (oder wie ich eben nicht auf der PS3), erhält auch diesmal eine Wagenladung voller Informationen, die die alten Geschehnisse nochmals aufwärmen und schön servieren. Klar, ein Import des Charakters, der auf einer anderen Platform erstellt wurde, ist nicht möglich, dennoch fragt man sich: „Hätte man da nicht irgendwie die Daten des Charakters zwischenspeichern und somit „transferieren können?“ Ein weiterer Nachteil für Neueinsteiger: Einschneidende Aktionen aus den Vorgängern bleiben …mehr oder weniger… aus.

Zurück zur Geschichte:
Shepard wird nun also ausgesendet, um eine sagenumwobene Wunderwaffe der Protheaner zu suchen. Wer jetzt hier meint, dass es angesichts der vielen und ebenso bedrohten Völker des Universums eigentlich ganz einfach sein sollte, dafür Unterstützung zu erhalten, wird schnell mit gesenkten Haupt von dannen ziehen. Jedes Volk kümmert sich in erster Linie mal um sich selbst. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kroganer, die beinahe ausgelöscht wurden, sich wohl fraglicherweise überhaupt anschließen. Und dann gibt es noch das Problem mit der Cerberus-Organisation, die es ebenfalls auf die Waffe abgesehen haben… allerdings mit anderen Hintergedanken. Der „Unbekannte“ will keineswegs damit die Reaper auslöschen – vielmehr will er sie „kontrollieren“. Wie auch immer das aussehen soll, beziehungsweise funktionieren.

Die Frage ist nur: Schafft es Shepard in der kurzen Zeit überhaupt an die Waffe zu kommen?

Auf in den Kampf:

Auffällig ist, dass Mass Effect 3 noch mehr als „Actiontitel“ daherkommt als die vorigen Teile. Dies macht sich auch im Kampfsystem bemerkbar, dass deutlich aufpoliert wurde. Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, sich schnell in Deckung zu Rollen. Mag jetzt trivial klingen, aber bei einer sehr hohen Gegnerdichte ist es eine geschickte Art, sich schnell aus dem Kugelhagel zu retten, oder im Nahkampf schnell ein Ausweichmanöver zu starten.

Die Kampfareal wurden nicht nur gefühlsmäßig vergrößert. Sie bieten nicht nur optisch viele Variationen, sondern auch spieltechnischer Art. So gibt es viel mehr Deckungsmöglichkeiten, oder Pfade, an denen man sich zum Ziel vorarbeiten kann. Und die Chancen sollte man nutzen, denn die Gegner agieren ein wenig schlauer als früher. Wenn auch nur marginal und auch nur 50% schlauer als ein Moorhuhn.

Natürlich gibt es wieder den Talentbaum, der meiner Meinung nach deutlich vereinfacht und damit einfacher zu bedienen wurde. Man wird wortwörtlich nicht mehr erschlagen. und dennoch gibt es pro Skill mehrere Möglichkeiten sich zu entfalten. Von drei Basisstufen geht‘s hin zu 4 weiteren Punkten mit je 2 Unterpunkten. Und natürlich unterscheiden sich die Fähigkeiten je Charakter. Je nach Bedarf (schwere Kämpfe, mit und „mit weniger“ biotischer Unterstützung) kann man sich so gezielt auf die Kämpfe einstellen. Die Biotiker sind im dritten Teil allerdings weit weniger mächtig als im Vorgänger. Somit hat Teil 3 – auch wenn es den Anschein hat, dass er mehr zum Shooter verkommt – wieder mehr eine taktische Komponente enthalten. Auch neu ist die Nova-Attacke, mit der man, ähnlich wie ein gewisser Darth Vader oder andere mächtige Jedi Krieger, eine Schockwelle auslösen kann, um somit die Gegner vom Feld zu pusten, oder Schilde zu deaktivieren.

Und natürlich lassen sich nicht nur die Charaktere aufrüsten, sondern auch die Waffen. 2 Upgrades lassen sich installieren, die etwa Zielgenauigkeit oder auch Schaden pushen. Aufrüsten lassen sich die Wummen entweder auf der Normandy, oder auf verschiedenen anderen Stationen. Wie gewohnt lässt sich die Bewaffnung der Charaktere beim Missionsstart anpassen. Neu hinzugekommen sind die so genannten „Kriegsaktivposten“. Man erhält hier quasi Punkte für diverse Dinge, die man in den diversen Missionen erfüllt hat: Also Artefakte, die man findet, Menschen die man rettet, oder auch die Reporterin Diana Allers bringt Punkte, wenn man sie auf eine Spritztour durchs All mitnimmt. Warum das Ganze? Für den entscheidenden Endkampf. Dieser benötigt eine Mindestmenge an Punkten. Allerdings sollte man sich überlegen, nicht am untersten Limit durchzustarten, denn es gibt kein Zurück mehr. Eigentlich hätte man schon gerne in die Hände geklatscht, wenn diese kriegswichtigen Punkte auch für kleine Raumkämpfe zwischendurch hätten eingesetzt werden können.

Es gibt da noch einen klitzekleinen Haken, was die die Allianzen und deren Schlagkraft betrifft. Im Normalfall liegt die Bereitschaft nur bei 50%. Durch pure Willenskraft. oder Zusehen ändert sich leider nichts. Abhilfe schafft hier nur ein Abstecher in den Koop-Modus, oder man holt sich die kostenlose iPhone App „Mass Effect Datapad“ und startet selbst aus der App heraus vereinzelt Angriffe auf die Reaper in den verschiedenen Systemen. Auch in der App erhält man dafür Punkte, mit denen man seine Schiffe aufrüsten darf und… wer ca. sein ganzes Leben damit verbringt… sogar ganze Stationen kaufen darf.

Nun, ein wenig darf man doch in den Systemen dann doch mit seinem Raumschiff für „Spannung“ sorgen. Richtig: Die allseits beliebte Rohstoffjagd. Allerdings gibt es den putzigen Scanner aus Mass Effect 2 so nicht mehr. Das „zeitaufwendige“ Drehen des Planeten wurde entfernt. Vielmehr gurkt man man durch ein System und sucht nach potentiellen Rohstoffquellen. Hat man einen lohnenswerten Planeten gefunden, wirft man den Scanner ab. Presto. Damit hier nun nicht Langeweile aufkommt, kommen die Reaper wieder ins Spiel. Die haben es nämlich nicht unbedingt so gerne, dass man sich die Rohstoffe schnappt und starten bei zu hoher Scanneraktivität auch mal ganz gerne an. Dann heißt es Beine in die Hand nehmen und nix wie raus aus dem System geflogen!


Natürlich kommen neben den vielen Kämpfen (die schon ein wenig technisch gesehen an Gears of War erinnern) auch viele Dialogszenen. Allerdings hängt es vom Spieler ab, wie diese mehr oder weniger ablaufen sollen, denn es gibt insgesamt 3 Geschmacksrichtungen, die mehr oder weniger dem Spieler Einfluss auf das Geschehen geben. Dennoch kommen Drama und moralische Aspekte wie immer nicht zu kurz. Trotzdem hab ich irgendwie das Gefühl, dass man hier den Hahn nicht ganz so weit aufgedreht hat, wie in den Vorgängern. Es geht irgendwie nicht mehr so ganz in die Tiefe. Während man früher seine Gesprächspartnern solange beackern konnte, bis ihnen das Blut aus den Ohren lief, finden Gespräche im dritten Teil schon nach wenigen Ohrenblicken ein jähes Ende. Captain Obvious spielt hier eine große Rolle und die Antworten sind in etwa so einfach zu treffen wie in LA Noire. Natürlich dürfen die roten und blauen Antwortmöglichkeiten, die mehr oder weniger „gutes Karma“ bringen, nicht fehlen.

Und was darf ebenso wenig fehlen?
Klarer Fall: In Mass Effect 3 gibt‘s mal wieder Ringelpietz mit Anfassen ohne Ende. Und dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob es sich dabei um eine Mensch-Mensch (auch gleichgeschlechtlicher Art) oder Mensch-Alien-Beziehung handelt. Man vermisst zwar auch hier wieder den Tiefgang eines typischen japanischen Dating-Spiel, dennoch benötigt man eine Menge Zeit und Dialoge um auch hier zum Ziel zu kommen.

Multiple Masseneffekte
Wie schon erwähnt, gibt es erstmalig in der Serie einen Multiplayermodus, der in Form eines Koop-Modus für maximal 4 Spieler daher kommt. Jeder darf sich frei seine Rasse und Waffe wählen (allerdings nicht Shepard, die passt auf‘s Raumschiff auf). Ist ganz nett, aber nicht unbedingt mehr. Hauptsächlich kämpft man gegen in Wellen anschwärmende Feinde an. Dafür gibt‘s (wie ebenfalls erwähnt) Kriegsaktivpostenpunkte, womit man zumindest das Gefühl hat, dass das Ganze dann auch irgendwie eine Verbindung zur Story hat. Die KI hat hier mal wieder nicht den Vorteil auf Grund ihrer Intelligenz, sondern eher durch ihre Anzahl.

Das Fazit:
Insgesamt ist Mass Effect 3 mehr als gelungen. Die Soundkulisse ist wie immer ein Ohrenschmaus und sorgt für eine richtig gute Stimmung. Und grafisch? Keine Frage, das Spiel sieht top aus! Erfreulicherweise macht auch ein Besuch auf der Citadel wieder Spaß! Endlich gibt es wieder eine Menge zu sehen und insgesamt 5 Stockwerke zu besichtigen. Es rührt sich wieder wieder was und man darf sich sogar bei manchen Situationen der NPC einmischen. Klar, vieles ist nur Staffage und nur klein ist der Wunsch nach mehr Interaktivität, aber das das geht so schon voll und ganz in Ordnung.

Irgendwie aber hat man beim letzten Teil der Serie zu sehr an der Actionschraube gedreht und die aus den vorigen Teilen bekannten Minispiele komplett gestrichen. Und auch die für „Rollenspiele“ typischen Dialogschlachten wurden mehr als eingedampft. Insgesamt von einem „Action-Rollenspiel“ zu sprechen, mag ein wenig übertrieben erscheinen. Eher „Actionspiel mit einem Hauch von Rollenspielsimulationsimitat“. Nun gut. Damit muss man leben und man erlebt ja ein bombastisches Ende.

Aber es schon ein wenig Auffällig, dass insgesamt von Teil 1 zu 3 eben genau diese Rollenspielkomponente immer weniger wurde. Man darf sich mal fragen, woran das liegt.

Trotzdem: Mass Effect 3 ist ein starkes Spiel mit starken Charakteren. Entgehen lassen darf man sich das Spiel nicht – was im Prinzip auf die gesamte Serie zutrifft. Es gibt Spiele, die muss man einfach in seiner Sammlung haben und da gehört Mass Effect einfach dazu. Auch wenn man eventuell mitten drin einen kleinen Hänger hat: Es lohnt sich!

Dieses Posting hat 8 Kommentare

  1. Kengami sagt:

    wie immer nice. mir drängen sich nur 2 fragen auf:

    a) findest du den Abschluss und damit das Ende wirklich gut? Für mich war es extrem frustrierend und hat die ganze Faszination des ME Universums zerstört…
    b) Grafisch gut? Die Wachsgesichter sind schlimmer als in FF und vond en Texturen mal ganz zu schweigen….

  2. dasPixel sagt:

    oh… ich wollte “mehr oder weniger” bombastich schreiben oO – Hab beim Ende nicht all zu viel erwartet… von daher…

    und… nun… die PS3 Version neigt auch ab und zu mal zu stottern. grafisch aber mal wieder ganz nett… und wahrscheinlich empfand ich’s eben derhalb so gut, weil ich vorher Resident Evil:ORC gespielt hab Oo

  3. Kengami sagt:

    hmm okay. ka, ichhab mich einfach zu verbunden mit der figur gefühlt, die ich über 150 Std begleitet habe und dann son scheiss am Ende… Bioware hat echt komplett bei mir verschissen mittlerweile. erst das dragon age 2 desaster und nu das.. einfach ne frechheit…

    hehe, okay, das könnte sein ;) grafisch sah das für mich teils sogar mieser als ME2 aus und das stottern war wirklich nervend…

  4. Chrissi_24 sagt:

    Ne 8,3 bloß? Da hast du aber gegeizt mit deinen Punkten Pixel. Nein spaß. Das ist ja deine Meinung ^^

    @kengami: (SPOILERALARM)
    Bin auch schon lange Fan der Serie und muss sagen das mich das Ende absolut nicht enttäuscht hat. Ich fand es sogar genial. Ist mal ein anderes Ende und kein Hollywood-like Happy End.
    Und hast du schonmal an die Indoktrination Theorie gedacht? Dazu gibt es ein 20 minütiges Video auf Youtube. wenn das so von bioware geplant war, war das einfach mal genial inszeniert. Die Theorie klingt auch plausibel.
    Das einzige negative ist, dass man nicht wirklich weiß, was mit der Crew passiert und dass die Entscheidungen nicht wirklich eine Rolle gespielt haben. Dafür kommt dann jedoch im Sommer der extendet Cut Dlc :)

  5. Chrissi_24 sagt:

    Achso eins noch Pixel. Findest du wirklich dass es weniger RPG-Elemente als im 2. Teil gab ? Ich denke es ist eher das Gegenteil. Es gibt jetzt schon wieder mehr Elemente als im 2. Teil jedoch nicht so viel wie im 1. aber as liegt wohl eher an der heutigen Zeit, da fast jeder heutzutage sich vom stumpfen Geballer beeindrucken lässt und sich solche spiele wie geschnitten Brot verkaufen :/

  6. Kengami sagt:

    @ Chrissi:

    [SPOILOER] jap, es ist etwas anderes udn nciht hollywood like. aber son hollywood ende brauch ich auch gar nicht. man nehme nur mal deus ex, da war es super passend am ende, 4 möglichkeiten, knopf drücken, wupidu. es wurde mühe gemacht, verschiedene end monologe mit verschiedenen bildern zu machen. mass effect hat mich eher darin ettäuscht, dass es alles, was vorhe rgemacht wurde, keine rolle mehr spielte. das dumm eblag wird eingeführt, drück mal aufn knopp. das vom kind als falsch geschiclderte ende ist das gute (besodners gut, hat man viele war assets). danahc gibt es das ende einmal in rot, orange, blau udn grün, gleiche sequenzen, keinerlei mühe gegeben. und das is für mich einfach eine totale ohrfeige. das mit der indoktrinierung dachte ich mir schon, als das ende lief. hatte seit der demo die vermutung, dass mit dem blag was nich in ordnung is, als ich das am anfang da in des fliegeding einsteigen sah… du weisst nich was mit der crew weiter passiert, mti der ganzen flotte, etc bla blubb. wie gesagt, ich habe keien 150std mit einer figur verbracht, nur damit mir dann in 10min alles versaut wird durch ein völlig einfallsloses stupides knöpfchen drücken. wäre dieses ende besser ausgebaut, mit dem jungen/indoktrinierung mal eher angeklungen, hätte man die endsequenzen intelligenter gestaltet und nich einfach so hingerotzt, super. ich liebe enden, die eben nciht ala hollywood sind. nur wie es da ablief ist einfach ne bodenlose frechheit.. wozzaaaa.. sorry, aber für mich und viele andere wars einfach herbe herbe enttäuschung….

    und zur rpg frage: für mich is 3 n reiner 3rd person shooter, nix mehr mit rpg… das, was als rpg verkauft wird, is son pseudo modell. aber das is glaub wirklich geschmack ;)

  7. Flokutos sagt:

    @ Kengami

    geh doch vorm Bundestag demonstrieren :razz: :razz: Ich fand das Ende sehr gut, ein Sci-Fi Epos würdig, besser so als wenn Shepard alles heiratet was nicht Niet und Nagel fest ist. :mrgreen: :mrgreen:

  8. Kengami sagt:

    hehe, ne, so schlimm isses dann ja auch nich ;) hahaha, wenn sollte er bzw in meinem fall sie auch heiraten. ich fand die alle unattraktiv :D

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