Im Test: Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden

Tja, da stehen sie nun meine drei Helden: Die Elbin Andriel, der Zwerg Farin und der gute Eradan, ein Dunedain wie er im Buche steht. Gemeinsam gegeben wir uns auf eine gefährliche Reise durch Mittelerde, um so viele Krieger Saurons zu töten wie möglich, damit die “anderen Gefährten” ihrerseits sicher ihr eigenes Abenteuer bestehen. Der Krieg spiel also abseits der Hauptgeschichte. Ein Schattendasein? Nun, nicht unbedingt. Gandalf selbst ist der Auftraggeber und auch wenn die Geschichte nicht auf den Titelseiten der Tageszeitungen abgedruckt wird, ist sie nicht weniger ehrbar.

Warner Bros und Snowblind Studios versprechen ein intensives Action RPG. Bei „Snowblind“ sollte es eigentlich klingeln, denn die Spieleschmiede hat ein sehr gutes Baldurs Gate abgeliefert. Was kann denn da noch schief gehen?


Nun, wenn man offline spielt…
Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden ist ein absolutes Koop-Spiel, was ja mit drei Charakteren ja Sinn macht. Doch: Fluch und Segen der künstlichen Intelligenz!

Der Zwerg stürmt schon gerne mit nach vorne, um aus den angreifenden Orks Matsch zu machen. Unterstützt wird er dabei von der zauberhaften (im wahrsten Sinne des Wortes) Andriel, die so gut es geht mit Heilzaubern die Wunden wegküsst und nebenzu die Gegner mit Pfeilen durchlöchert. Nur findet man die beiden selten an der eigenen Seite. Nicht selten ist man umringt von einer brüllenden Horde, die Kleinholz aus dem Spieler machen wollen. Dabei war man selbst gerade dabei, den Bogengeschützturm zu entern. Die beiden anderen Spieler sollten eigentlich für Deckung sorgen (so stand es im Script)… aber nein… das muss man schon selbst tun. Selbst wenn ich dem Onlinepartner die Hände hinter dem Rücken verbinde, damit er seinen Charakter nur mit der Nase steuern kann und ihm ne Katze vor dem Flatscreen stelle, damit sie ihm die Sicht versperrt, so denke ich spielt er immer noch besser als die zwei Hanswurste. Der aufmerksame Leser fragt sich, ob man nicht wie in Dragon Age während des Spiels, sofern man alleine zockt, einfach mal so zwischen den drei Helden hin und her wechseln darf. Nein. Erst nach dem Leveln. Aber sei‘s drum. Eigentlich mag ich ja das Spiel…


Wer also noch 2 andere Freunde hat, sollte man sich auf alle Fälle online zusammen schließen und Herr der Ringe: Der Krieg im Norden im Koop zocken. Wie es sich gehört. Wahlweise geht das auch im 2 Spielersplitscreenmodus, oder 2 2 Spielersplitscreenmodus und einer online… (Online ist übrigens auch mit LAN gleichzusetzen. Geht auch.) also hier muss man sagen: Hut ab! Das funzt prima!

Was auch ziemlich gut und auch sehr einfach (weil man sich nicht wirklich viel Gedanken machen muss) funktioniert, ist das Hochleveln der Charaktere, Waffen und Rüstungsgegenständen. Das plätschert so stetig vor sich hin. Den Charakter selbst darf man ein wenig feintunen und ihm 3 Spezialfähigkeiten verpassen und dann um weitere Eigenschaften erweitern. Drei Wörter sollte man sich merken, möchte man ganz hoch hinaus: Knöpfeklopfen, Knöpfeklopfen und Knöpfeklopfen!

Diese 3 Wörter machen die Kämpfe nicht wirklich abwechslungsreich, aber immerhin werden sie actionkinohaft inszeniert. Es mangelt nicht an roter Farbe, die meist in Strömen daher kommt und ab und an fliegen Gliedmaßen und es rollen die Köpfe, wie es sich eben für eine Schlacht gehört.

Falls man dann doch mal in Schwierigkeiten geraten sollte, darf man auf Knopfdruck den großen Adler Beleram zu Hilfe rufen. Er ist quasi das vierte, nicht dauerhafte Mitglied der tapferen Kriegerbande.

Wenn Sie nun links aus dem Fenster schauen, sehen Sie Radagast…
Was man in Herr der Ringe: Der Krieg im Norden wunderbar eingefangen hat, ist die bezaubernde Filmkulisse, in der man sich bewegt. Es gibt so viele bekannte Schauplätze, an denen man vorbeikommt. Zudem sehen sie noch sehr gut aus, wie auch die Charaktere und Gegner selbst und seien es bloß 0815-Kellerspinnen. Nicht so schön hingegen sind die „Keller“ selbst. Aber in welchen Spiel gibt‘s schon schön gestaltete Dungeons. Wir sind hier ja auch nicht bei „Schöner Wohnen“.

Ebenso langweilig wie die Dungeons sind auch ein wenig die Art wie die Story erzählt wird. Nein, nicht langweilig, sondern ungefähr so saftig wie ein Sandkuchen… von vor ner Woche. Man kennt das ja aus Rollenspielen, aber kann man das mal nicht irgendwie „lockerer“ gestalten?

Hmm…
Ich bin so hin und her gerissen. Es ist so, als hätte man in eine große Schüssel die Tolkien Bücher geschüttet, ein wenig Grafikzauberpulver hinzugegeben, das Ganze mit Rollenspiel gebuttert und einer kräftigen Brühe Action aufgegossen. Nur hat man das Umrühren vergessen. Das Prinzip ist gut, die Umsetzung als Solche ebenso, nur mangelt es eben an der KI. Und spielt man alleine, kann man zwar die Fähigkeiten der einzelnen Charaktere pushen, aber es interessiert die KI scheinbar nicht im wirklich, ob jetzt Andriel ganz dufte Zaubertränke mixen kann. Herr der Ringe: Der Krieg im Norden kommt wirklich erst zur Geltung, wenn man es mit echten Koop-Partner spielt. Ich kann es kaum oft genug wiederholen. Einerseits ist es wirklich toll, dass man so ein Action-RPG einigermaßen dynamisch und flüssig spielen kann, aber auf der anderen Seite spielt man ja vielleicht doch öfters alleine. Und genau dann vermisst man das „soziale“ Spielerlebnis.

Ja, man kann jetzt meckern, dass das Spiel aus verschiedenen Arenen besteht, in denen dann die Massenschlachten stattfinden. Zusammengehalten werden diese Schauplätze dann durch vereinzelte Laufpassagen und Gespräche mit Einwohnern in den Dörfern. Wa nicht falsch ist, denn die Einwohner geben viel von sich und der augenblicklichen Situation in Mittelerde preis.

Ein weiterer Kritikpunkt wäre die „Kamera“. Eigentlich konzentriert sie sich auf‘s Wesentliche, also das aktuelle Spielgeschehen, manchmal kann es aber sein, dass sie … Oh… ein Vogel! Schön, wie der fliegt… – wo war‘n wir stehn geblieben?

Fazit:
Wirklich! Ich mochte Herr der Ringe: Der Krieg im Norden ganz ehrlich, aber auch wenn es eine Originallizenz zu den Filmen gibt und die Spieldauer auch etwa den Umfang hat wie die drei Kinofilme (im extended Cut), so bin ich nicht völlig begeistert. Die Atmosphäre ist großartig (solange man nicht in den Dungeon geht) und die Schauplätze sind bezaubernd (solang man über der Erde verweilt). Aber die drei Charaktere wirken so blass und sind kognitiv so unterdurchschnittlich begabt, dass man nicht wirklich ein Gefühl von „Teamplay“ hat, vor allem auch, weil man schnell mal auf Grund ihres Fehlverhaltens ins Gras beißen muss. Oder sie selbst beißen ins Gras, was, wenn man nicht schnell reagiert, auch ein (vorläufiges) Ende bedeutet.

Auch wenn der gute Wille erkennbar ist, wurde das Potential nicht ganz ausgeschöpft. Ein Fall für die klassischen 68 – 70 Prozent, wenn man Zahlen mag, oder an dieses System glaubt, ansonsten: Knapper Durchschnitt.

Dieses Posting hat 1 Kommentar

  1. Hamad Ibn Issa Al Chalifa sagt:

    geb ich dir absolut recht wenn ich mit kumpels an der strippe bin und wir gemeinsam einen troll zu fall bringen dann macht das höllisch spaß und funktioniert wunderbar singleplay is aber wirklich dünn wie ne tütensuppe
    naja was solls ich liebe herr der ringe und ich finde nach “schlacht um mittelerde” is das “war in the north” mit das beste was die serie veröffentlicht hat

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